Fledermäuse

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Große Hufeisennase; Foto: nabu.de

Fledermäuse gehören zu den Säugetieren, innerhalb derer sie als einzige Gruppe zu echtem Flug fähig sind. Als nachtaktive Tiere jagen sie in Wäldern, über Offenland, Wiesen und Gewässern sowie auch in Siedlungen und Gärten ausschließlich nach Insekten, Spinnentieren und Hundertfüßern. Vom Frühjahr bis zum Herbst bewohnen sie tagsüber Quartiere auf Dachböden und in unterschiedlichen Spalten und Höhlungen an und in Gebäuden und Bäumen. Dabei finden sich die Weibchen zur Jungenaufzucht in bis zu über tausend Tiere starken Kolonien, den Wochenstuben, zusammen. Die Männchen sind in kleineren Gruppen oder allein anzutreffen. Im Herbst finden sie sich in Übergangs-, Paarungs- und Schwärmquartieren zusammen. Die nahrungsarmen Wintermonaten von Oktober bis März überbrücken Fledermäuse im Winterschlaf in geschützten Winterquartieren. Sie nutzen dazu Höhlen, Felsspalten, unterirdische Stollen, Bunker, Erdkeller und auch frostfreie Spalten in und an Gebäuden, wobei sie artspezifische Temperaturpräferenzen aufweisen. Einige Arten suchen Spechthöhlen in dicken Baumstämmen auf. Zwischen den Sommer- und Winterquartieren legen die verschiedenen Fledermausarten unterschiedlich weite Wanderungsdistanzen zurück: von nahezu am gleichen Ort bleibend, über mittellange zurückgelegte Strecken zwischen 50 und einigen 100 km, bis hin zum Ziehen in über 1000 km entfernt liegende Quartiere.
Im Jahreszyklus der Fledermäuse sind sichere Quartiere für Jungenaufzucht und Winterschlaf von zentraler Bedeutung. Für die Winterquartiere gelten als essentielle Bedingungen konstant niedrige Temperaturen von 0 - 8 °C, dabei unbedingt frostfrei, eine hohe Luftfeuchtigkeit von 80 - 100 % sowie der Schutz der Fledermäuse vor Prädatoren und Störungen. Fledermäuse sind standorttreu. Sie nutzen ein einmal als geeignet befundenes Quartier über viele Jahre bis Jahrzehnte.
Alle in Deutschland heimischen 25 Fledermausarten gelten nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG vom 29.07.2009) als 'besonders' und 'streng geschützte' Arten. In Niedersachsen kommen 18 Arten vor, für die Region Hannover sind 15 Arten beschrieben.
Dennoch verlieren alle heimischen Fledermäuse zunehmend ihre Lebensgrundlagen. Gefährdet sind die Tiere durch die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft, Lebensraumzerschneidung durch Straßenbau, Tourismus und andere Faktoren.
Ein entscheidender Aspekt ist auch der Quartierverlust infolge Gebäudesanierung oder -abriss. In der hiesigen Region sind natürliche Winterquartiere in Form von Höhlen oder Felsspalten kaum vorhanden. Als Kulturfolger suchen die Fledermäuse vom Menschen geschaffene unterirdische, kühle Gebäudeteile wie Erd- und Eiskeller, bunkerähnliche Anlagen und Ähnliches zum Überwintern auf. Doch auch diese schwinden zusehends, so dass die Errichtung künstlicher Winterquartiere dringend erforderlich ist, um für die ortstreuen oder nur kurze Distanzen zwischen Sommer- und Winterquartier ziehenden Fledermausarten wie Braunes Langohr, Wasserfledermaus und Große/Kleine Bartfledermaus die Wanderstrecke verkürzen. Somit werden deren Überlebenschance für den Winter erhöht und dadurch die Lokalpopulationen gestärkt.
Grundsätzlich sollte zum Schutz der Fledermäuse deren Lebensraum großflächig erhalten werden. Dazu sollten unter Anderem in Wäldern alte Bäume und Totholz belassen und in landwirtschaftlichen Gebieten Strukturreichtum geschaffen und der Pestizideinsatz verringert werden. Jeder Einzelne kann mit Pflanzen, die vor allem Nachtinsekten als Nahrung dienen, zum Schutz beitragen. Weiterhin kann man Spaltenkästen aufhängen, Pestizide vermeiden und die Fledermäuse einfach nur zulassen.
Trotz des Schutzes seit den 1930er Jahren sind die in Deutschland heimischen Fledermausarten alle auf der Roten Liste gefährdeter Arten Deutschlands bzw. Niedersachsens geführt. Niedersachsenweit sind die in der Wedemark nachgewiesenen Arten als gefährdet bzw. stark gefährdet eingestuft, bundesweit gelten einige dieser Arten als ungefährdet.

Der NABU Wedemark hat über zwanzigjährige Erfahrung im Fledermausschutz. Dazu zählt u.a. die Errichtung und Betreuung von künstlichen Winter- und Sommerquartieren, wofür umfangreiche Kenntnisse erforderlich sind.
Um die physikalische Qualität eines künstlichen Quartiers einschätzen zu können, müssen die klimatischen Bedingungen bestimmt werden können. Zur kontinuierlichen Aufnahme von Temperatur- und Feuchtigkeitsdaten werden dazu im Quartier Klimalogger angebracht.
Guter Schutz der Fledermäuse während ihres Winterschlafes ist dringend erforderlich, da sie während dieser Zeit sehr empfindlich auf Störungen reagieren. Ein rasches Aufwachen aufgrund von Beunruhigung ist mit übermäßig hohem Energieverbrauch aus den Fettreserven verbunden. Sind die Reserven erschöpft, sind die Tiere zu sehr geschwächt und im schlimmsten Fall kann ihr Tod die Folge sein. Ein Quartier muss folglich bestmöglich gegenüber Betreten durch Unbefugte und Störungen von außen gesichert sein. Gleichzeitig muss eine Zugangsmöglichkeit für die Betreuer gegeben sein, da aus baulichen Aspekten und zur Erfolgskontrolle des Besatzes ein Fledermauswinterquartier kontrolliert werden können muss.
Die Attraktivität von Winterquartieren hängt maßgeblich mit der Qualität und Quantität der Hang- und Versteckmöglichkeiten zusammen. Eine größere Variabilität der Spaltenräume erhöht die Wahrscheinlichkeit der Besiedlung eines künstlichen Winterquartiers. Als unterschiedliche Bauteile, welche die Fledermäuse als Hangplätze nutzen können, haben sich spezielle Hohlblocksteine, Porotonsteine und selbstgefertigte Holzbetonhalbschalen bewährt.


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Spannende Einblicke in die Welt der Fledermäuse (NABU TV; Dauer 3:15)

Fledermäuse – Geheimnisvolle Wesen der Nacht
WDR - Planet Wissen 23.04.2019 Dauer: 57:46 Min.
Video verfügbar bis: 23.04.2024 ∙ 16:00 Uhr
Fledermäuse können fliegen wie ein Vogel, tragen Fell wie eine Maus, sie schlafen kopfüber und sehen mit den Ohren. Manche Menschen ekeln sich vor ihnen, doch Simon Ripperger findet sie faszinierend. Der Biologe weiß, was wir von den fliegenden Säugetieren lernen können und warum es gute Gründe gibt, die bedrohten Tiere zu schützen.

Fledermäuse - Warte bis es dunkel wird - Arte TV (Videos)

Teil 1 (15 Min.)
Teil 2 (15 Min.)
Teil 3 (15 Min.)

 
Wo die Fledermäuse schlafen

eine Reportage auf Zeit-Online