Mitgliederversammlung des NABU Wedemark mit Vortrag von Sven Achtermann „Faszination Vogelflug“

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Am 16. Mai 2023 lud der NABU Wedemark Mitglieder und Gäste zu seiner Mitgliederversammlung mit anschließendem Vortrag ins MOORiZ ein. Für die rund 30 Interessierten gab es von Ursula Schwertmann nach der Begrüßung einen Einblick in die Entwicklung der Mitgliederzahlen und Neuigkeiten rund um die NABU-Flächen.
Detlef Schwertmann zeigte Bilder von den Veranstaltungen mit vielen fröhlichen Gruppenbildern. Gemeinschaft und Netzwerken wird großgeschrieben.
Markus Stadie berichtete über die umfangreichen Entkusselungsaktionen am Moorerlebnispfad Resse im Winter 2022/2023.
Als nächstes bekam Beate Butsch das Mikrofon. Sie leitet die NAJU Wedemark. Dass die Ortsgruppe so eine Naturschutzjugendgruppe hat, ist nicht selbstverständlich. Die Kids müssen immer wieder neu aktiviert und abgeholt werden. Dazu gibt es Einblicke in Aktionstage wie z.B. den Löwenzahntag. Es geht darum Wissen an die Jugend weiterzugeben und Begeisterung zu entfachen auf der gemeinsamen Mission Umweltschutz.
Danach stellte sich Olli P. vor. Er ist erst seit 1,5 Jahren dabei, betreut aber schon ein eigenes Biotop. Das Gelände mit dem sogenannten Waldhaus hat es ihm angetan. Nicht ohne Stolz erzählte er, welche Arbeiten er auf dem Grundstück bereits getan hat und was der aktuelle Stand ist. Dafür gab es natürlich Applaus.
Im Anschluss berichtete Axel Neuenschwander aus seinem Betreuungsgebiet. Es ging u.a. um den Waldkauz, eine Waldkauzfamilie und um einen gefährlich wackeligen Nistkasten aus dem NABU-Shop. Zum Glück wurde der Mangel im Material schnell entdeckt und die Information an Eulenexperten Axel Neuenschwander weitergegeben. Der konnte schnell helfen und hat auch gleich dafür gesorgt, dass der Eulenkasten überarbeitet wird.
Jürgen Heinrich alias „Kröten-Jogi“ berichtete über eine Population, die doppelt so viel Weibchen wie Männchen aufweist. Ein Phänomen, das bereits im letzten Jahr auftrat.

Es folgte eine differenzierte Darstellung der Finanzen im letzten Jahr von Kassenwart Detlef Schwertmann

und die Abnahme durch Kassenprüfer Manfred Tammen.


Zum Schluss bat der Vorstand um Entlastung, was einstimmig genehmigt wurde.

Britta Stadie moderierte die Versammlung und war sehr zufrieden mit dem Timing .

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Der Vortrag von Sven Achtermann konnte nach einer kleinen Pause pünktlich beginnen.

Als erstes zeigte er ein Bild von Otto Lilienthal. Dieser fand im 19.Jahrhundert das Geheimnis des Vogelflugs heraus: Es ist die Wölbung seiner Flügel.
In den darauffolgenden 60 Minuten schafft es Achtermann nicht nur zu erklären wie der Vogel fliegt, sondern auch wie hervorragend seine Flügel an das jeweilige Habitat, die Anforderungen zur Nahrungsbeschaffung und die jeweilige Lebensphase angepasst sind.
Bei der Besprechung der verschiedene Federn fällt immer wieder das Wort „Alula“. Dabei handelt es sich um kurze abspreizbare Federn am Daumen des Vogelflügels. Die Flügel sind gewunden, genau wie die Propeller eines Flugzeugs, nur dass die Natur unsere Konstruktionen einmal mehr mit ihrer Perfektion gnadenlos in den Schatten stellt.
Immer wieder wurde das Publikum mit Fragen einbezogen, dieser z.B.: Warum stehen Kormorane oft mit ausgebreiteten Flügeln am Ufer?
Achtermann: „Weil er keine Nanobeschichtung auf den Federn hat. Damit kann das Wasser nicht abperlen. Unter Wasser macht ihn das schwerer, er kann schneller tiefer tauchen. Allerdings muss er sein Gefieder deswegen immer wieder von Wind, Sonne und oft mit wedelnden Bewegungen wieder trocknen.“
Tatsächlich brachte uns der Vortrag viele Begriffe wie Thermikschlauch, dynamischen Segelflug und Handschwingenpronation verständlich näher. Der Vogelflug-Experte selbst sprach von einer „Wissendruckbetankung“ - es waren tatsächlich eine Menge Informationen, die wir an diesem Abend übers Fliegen bekamen, Manches so unglaublich, dass man gerne ein paar Minuten Pause gehabt hätte, um es nachwirken zu lassen. Einige machten sich Notizen.
Zum Schluss erzählte er zum Auflockern von einem Ornithologenkongress, bei dem er einen Vortrag hielt. Die „Ornis“ konnten Achtermanns Aussage, dass Vögel individuelle Fähigkeiten zu fliegen haben, geschlossen nicht glauben. Um ihnen das Gegenteil zu beweisen, seilte sich der Forscher in der Brutzeit auf Helgoland an einer Klippe ab.  Er wählte aus einer Kolonie Basstölpel einige Exemplare aus und machte von jedem jeweils 100 Aufnahmen, die den Vogel im Flug zeigten. Die Bilder belegten eindeutig, dass jeder Vogel absolut unterschiedliche Wege gefunden hatte, Situationen zu meistern und Luftströme für sich zu nutzen. Zusammen mit den spannenden Erklärungen zur Flugweise von „Elise“, „Peter“ oder „Hermann“ war das ein echtes Erlebnis. Vielen Dank dafür!  


Text und Fotos Mitgliederversammlung: Julia Hüting
Fotos Vortrag: nn